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Mit dem richtigen Riecher auf Kundenfang
Jungunternehmer preist Duftmarketing als Geschäftsidee für Läden, Gaststätten und Autohäuser an

Nordkurier Neubrandenburg 17.12.1999
Von ADN-Korrespondentin Carola Benz

Zwickau. Viele Ostdeutsche erinnern sich noch an den "Westgeruch" in den Inter- shops. Es duftete nach Kaffee, nach einer ganz bestimmten Seife, nach echtem Leder und Weichspüler. Zehn Jahre nach dem Mauerfall ist diese Mixtur wieder in. Jeden- falls gibt es Geschäfte, die damit Publikum anlocken und einen Experten, der diese Duftkomposition zaubern kann: Jens Reißmann aus Zwickau (Sachsen) ist Inhaber der einzigen ostdeutschen Firma für Duft- marketing. In ganz Deutschland gibt es nicht mal eine Hand voll solcher Experten. "Wir beraten Unternehmen zum Dufteinsatz im Marketing und bieten mit erlesenen Wohl- gerüchen die Möglichkeit, zusätzlich zu vorhandenen akustischen und visuellen Effekten Kunden und Gästen neue Erlebnis- welten zu erschließen", beschreibt Reißmann seine Arbeit. Die beruht auf der Erkenntnis, dass Duft als Wahrnehmung eine besondere Emotionalität schafft und damit zu instink- tiven Entscheidungen führt, also auch das Kaufverhalten beeinflusst.

Länger im Geschäft

Duftmarketing wird in den USA und Japan längst mit großem Erfolg in vielen Bereichen eingesetzt. Besonders in den neuen Ländern sei der professionelle Dufteinsatz aber noch so gut wie unbekannt, sagt Reißmann. Dennoch ist der Jungunternehmer optim- istisch. Was im privaten Bereich mit Blumen, Duftkerzen oder Raumsprays arrangiert werde, könne nicht ohne Folgen für die Geschäftswelt bleiben. "Duftmarketing ist die Marketingschiene der Zukunft", behauptet er. In Deutschland gilt eine Langzeitstudie der Universität Paderborn als wissen- schaftliche Grundlage.
Demnach erhöhte sich die Verweildauer der Kunden im Geschäft beim Einsatz von Düften um l5,9 Prozent. Die Kaufbereitschaft stieg um 14,8 Prozent und der Umsatz um sechs Prozent. Nach Reißmanns Erfahrungen bevorzugen Textilboutiquen einen Hauch "Unisex" oder "Cool Water". Im Lebens- mittelbereich werden frischer Kaffeeduft und in Möbelhäusern Wohlfühlgerüche bevorzugt, die an Blumen erinnern. Bedarf sieht er auch in Autohäusern, wo es nach Leder statt nach Gummi riechen sollte, in Hotels und Gaststätten.

Eine dezent nach Rosen duftende Hotellobby sei bedeutend einladender als eine Eingangs- zone, die von verräucherter Luft aus der Bar durchzogen sei, meint der Duftexperte. Seine Kenntnisse eignete sich der gelernte Drucker im einjährigen Selbststudium an, ehe er im November 1998 das Gewerbe anmeldete. Mit einer festen Mitarbeiterin und einigen Handelsvertretern werden Interessenten von Aachen his Zwickau für das "dufte" Thema sensibilisiert. Selbst bei seiner Bank muss Reißmann Überzeugungskraft aufbringen, dass es sich um eine Geschäftsidee mit Zukunft handelt. Ganz im Gegensatz zu einem großen schweizerischen Geldinstitut, das sich für Wohlgerüche aus Zwickau interessiert, um seine Kunden künftig in angenehmerer Atmosphäre zu empfangen.

Aromatisiertes Briefpapier

Die "hohe Schule" des Dufteinsatzes in Unternehmen wäre eine duftende Corporate Identity – vom aromatisierten Briefpapier bis zum gleichen Geruch in allen Filialen. Einige Konzepte, beispielsweise für Reisebüros, hat sich Reißmann schon ausgedacht Jetzt müssen nur noch die Kunden einen "Riecher" dafür bekommen.


Was zu Hause mit Blumen, Duftkerzen oder Raumsprays arrangiert wird, soll den Kunden auch in Geschäften und Warenhäusern eine angenehme atmosphäre schaffen. Foto:AP

 

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